125 Jahre evangelischer Kirchenchor Waldbröl. Eine Zahl, auf die alle Gemeindemitglieder stolz sein dürfen und die dazu verführt, Statistiken zu bemühen. 40 Jahre davon Martin Kotthaus, der in dieser so langen Ära unzählige Male große und kleinere Werke der Musica Sacra aufführte.

Damit erfüllte der Chor und sein unermüdlicher Leiter nicht nur den Auftrag, die christliche Botschaft musizierend zu verkünden, sondern bereicherte damit auch das kulturelle Leben der Stadt und der Region. Folgt man den Ausführungen der Autoren und Chormitglieder Liesel Sticherling und Wolfgang Schmidt zum diesjährigen Jubiläum im aktuellen Gemeindebrief, wird dem Leser der Liedtext von Martin Luther auffallen, in dem dieser den Ursprung der Musik im Himmel sieht. Beide Autoren gewichten die seit langem gelebte Ökumene und beziehen sich unter anderem auf die vielen gemeinsamen Aktivitäten mit dem Cäcilienchor.

Auch die Wahl des Jubiläumswerkes, die Messe in D von Antonin Dvorak, zeugt von der ökumenischen Offenheit und Weitsicht der Kantorei, ganz im Geiste des Komponisten, der sich für die Gabe dankbar zeigte, die ihm gestattete, „dies Werk zum Preis des Allerhöchsten und zur Ehre unserer Kunst zu beenden.“ (In einem Brief an seinen Auftraggeber 1887) Eingeleitet wurde die geistliche Abendmusik mit der Sonate V für Orgel von Mendelssohn-Bartholdy, gespielt von Wolfgang Werner, der noch am Abend zuvor neben Martin Kotthaus in der Orgelnacht an St.Michael mitwirkte. Die darauffolgende Messe ist stilistisch der Spätromantik zuzuordnen, zu deren exponierten Vertretern Dvorak zählt und bedeutende Werke im symphonischen Bereich und in der Kammermusik von Weltgeltung schuf. Kein Geringerer als Johannes Brahms hatte sein Talent erkannt und ihn gefördert. Auch diese Messe weist vom Kyrie bis zum Agnus Dei hochentwickelte spätromantische Komplexität auf. Dies zeigt sich in allen Bereichen kompositorischer Stilmittel mit textausdeutender Funktion, die vom Chor gut umgesetzt wurden. Das unterscheidet die Messe von der Instrumentalmusik jener romantischen Epoche, die ihr Ideal in dem eigentlich „Unaussprechlichen“, dem „Wortlosen“ suchte. Für die Textausdeutung der kath.Messe griff Dvorak zu jahrhundertealten Konventionen: Die Dreiteiligkeit im Kyrie wird durch die Tonartenfolge gegliedert. Das „Ehre sei Gott in der Höhe“ wird durch optimistische Dreiklangsbrechungen hervorgehoben, während ‚der Friede auf Erden‘ in sanfter Seufzermelodik dahingleitet. Schwierige, reibende Akkordik bei der Ungeheuerlichkeit der ‚Kreuzigung‘ und dem Miserere. Dazu kanonartige Verflechtungen bei herausgehobenen Stellen im Benedictus und dem Agnus Dei. Mit der Bitte um Frieden endet das Werk ganz leise und führt nach insgesamt turbulenten Tonartwechseln beruhigend zur Ausgangstonart zurück. So greift Dvorak konventionelle Standards rhetorischer Figuren auf und überträgt diese in den Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Beachtenswert, dass der Chor die schweren Solopassagen mit Chormitgliedern besetzen konnte. Die Dramatik des Geschehens umzusetzen ist dem Chor sehr gut gelungen.

Die angemessene Unterstützung durch die Orgel mit Wolfgang Werner rundete den Gesamtklang wohltuend ab. Dvorak veröffentlichte das Werk zunächst in der Orgelfassung, erst wenige Jahre später entstand die Orchesterfassung.

Zu Recht durfte Martin Kotthaus stolz auf die Leistung seiner Kantorei sein. Die Zuhörer applaudierten ihm, dem Chor, den Solisten und Wolfgang Werner mit Begeisterung. Besonders rührend war zum Abschluß des Abends der anmutige Satz von Max Reger über „Der Mond ist aufgegangen“ mit dem sich das „letzte Konzert“ einer beachtlichen Ära des Vollblutkirchenmusikers Kotthaus dem Ende nähert. Ob da nicht doch die eine oder andere Träne vergossen wurde?
Als Zugabe sang der Chor den Kanon „Dona nobis pacem“, wobei die Zuhörer zum Mitsingen eingeladen wurden.

Text: Walter Köster 

 

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