Neujahrsempfang der ev. Kirchengemeinde Waldbröl für Seniorinnen und Senioren am 10.01.2019

Predigten

Gottesdienste

Herrnhuter Losungen

Sonntag, 09. Dezember 2018
2. Sonntag im Advent
Ich bin der HERR, der die Zeichen der Wahrsager zunichte macht und die Weissager zu Narren.
Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind.

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Seit 1848 begann in der Nachbargemeinde Nümbrecht mit dem zur Buße rufenden Pastor Thümmel eine nachhaltige geistliche Bewegung. Ihm folgte 1852 der  Erweckungsprediger Jakob Gerhard Engels, dessen Wirkung weit über die Grenzen seiner Gemeinde hinausreichte. Einer seiner Hilfsprediger war Alfred Christlieb, der später als Pfarrer von Heidberg vielen Gemeinden und Gemeinschaftskreisen in ganz Deutschland bekannt wurde. Auch in Holpe wirkte seit 1848 im gleichen Sinn Pastor Stursberg, der unter dem Eindruck des Wuppertaler Erweckungspredigers Krummacher stand. So breitete sich die Erweckungsbewegung bei uns immer mehr von den Nachbarorten her aus.

Damals standen die Gemeinschaftsleute im Gegensatz zu maßgebenden Kreisen in der Gemeinde

Pfarrer SchölerDaher war es kein Zufall, dass 1847 der Nachfolger Pastor Bruchs, Gustav Adolf Schöler, ein Pfarrerssohn aus Drabenderhöhe, nicht einstimmig gewählt wurde. Einige Wähler hatten sich der Stimme enthalten, weil ihnen seine Einstellung nicht klar genug erschien. Mit dem Presbyterium hat er aber tatkräftig den Ausbau der Kirche vorangetrieben. Als für den 1852 scheidenden Pfarrer ein Nachfolger gewählt werden musste, hatte sich eine schon lange in der Gemeinde und im Kirchenvorstand umgehende Verstimmung weiter ausgedehnt und verschärft.

 

 

 

 

 

Pfarrer HollenbergSo kam es, dass die von einer Mehrheit beabsichtigte Wahl des Pfarrers Wilhelm Hollenberg auf ernste Schwierigkeiten stieß und wiederum nicht einstimmig geschehen konnte. Eine Minderheit im Presbyterium und ein großer und einflussreicher Kreis von Gemeindegliedern nahm Anstoß an der theologischen Haltung des vorgeschlagenen Kandidaten. Es gab Proteste, die erfolglos blieben. Pfarrer Hollenberg wurde 1853 gewählt und eingeführt.

 

 

 

 

 

 

 

Kirche innenSein und des Presbyteriums erstes Bemühen galt der  noch ausstehenden Fertigstellung des Kirchenraumes. Dieser bekam einen würdigen Altar und eine entsprechende Kanzel. Auch die Ausmalung wurde verbessert. So konnte, fünfzehn Jahre nach der Grundsteinlegung, am 12. März 1856 das Gotteshaus in aller Form eingeweiht werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schulklasse

Der besondere Verdienst Pfarrer Hollenbergs waren seine sozialen Bemühungen. Er ermunterte Bürgermeister und Gemeinderat zum Ausbau der mehrklassigen Volksschule im Ort und zur Errichtung einklassiger Schulen auf den Höfen. Sogar eine höhere Bürgerschule rief er ins Leben. Mit zwölf Schülern und Schülerinnen nahm sie 1861 in einem Raum bei Bäckermeister Hoemann ihren Anfang. Später wurde sie in die umgebaute Pfarrscheune neben dem Pastorat verlegt. Der Pfarrer gab selbst Unterricht, unterstützt von vorübergehend zugewiesenen Vikaren und Hilfspredigern sowie von seiner Tochter. Diese "Bürgerschule" war die Keimzelle der späteren Rektoratschule und des heutigen Hollenberg-Gymnasiums. 

 

 

 

 

 1873 wurde Pfarrer Hollenberg in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt und seit 1887 war er Superintendent der Aggersynode. Sein Einfluss im öffentlichen Leben war sehr groß, und Waldbröl hat davon nicht geringen Vorteil gehabt. In Zusammenarbeit mit dem Waldbröler Arzt Sanitätsrat Dr. Venn hat Hollenberg im Jahre 1894 die Gründung der großen Heil- und Pflegeanstalt angeregt und tatkräftig gefördert. Sie ist jahrzehntelang ein Wahrzeichen Waldbröls gewesen. Hollenberg ist so bis heute die populärste Gestalt in der langen Reihe der evangelischen Pfarrer Waldbröls geblieben.

Allerdings gab es auch etwas, was seine Zeit in Waldbröl überschattete. Sein Verhältnis zur Erweckungsbewegung. Er stand abseits der neuen pietistisch geprägten Verkündigung. Wegen seiner Verwurzelung in der liberalen Theologie gelang es ihm nicht, eine Brücke zu den Gemeinschaftskreisen zu schlagen. Das alles war in zunehmendem Maße der Gemeinde zum Bewusstsein gekommen. Er wusste das und verhielt sich neutral ihnen gegenüber. Nur war das vielen zu wenig. In seiner Zeit wurde 1872 das Evangelische Vereinshaus am Markt eingeweiht, das heute der Evangelischen Kirche gehört und 1879 das Evangelische Vereinshaus Thierseifen. 1893 gründet sich der CVJM. 1899 hält Hollenberg seine Abschiedspredigt und zieht nach Bonn, wo er 1912 stirbt.

Vereinshaus in WaldbrölVereinshaus Thierseifen