Gedanken von Pfarrer Seibel


" Geht es Ihnen vielleicht ähnlich wie mir? "
Liebe Gemeinde!
Geht es Ihnen vielleicht ähnlich wie mir?
Je näher wir an das Osterfest heranrücken, umso größer wird meine Vorfreude. Das Geheimnis Gottes kommt uns nirgendwo so nahe, wie in der geballten Kraft der Karwoche. Gegenüber diesem gewaltigen Fest der Liebe Gottes zu uns Menschen sehen der Valentinstag und unsere Geburtstage als Liebesbezeugungen ganz schön schlecht aus. Aus Gottes Sicht alles geplant, aus Menschensicht eine unglaubliche Abfolge von tiefsten Gefühlen bei denen, denen Gottes Sohn in Menschengestalt, Jesus Christus ans Herz gewachsen war.
Tauchen wir in die damalige Atmosphäre ein wenig ein. Für die Freunde und Freundinnen von Jesus war es die Vorfreude auf ein gemeinsames Passahmahl, vergleichbar mit unserem Weihnachtsfest. Gutes Essen und Trinken, ein Gottesdienst, schöne Gespräche und bestimmt wieder ergreifende Worte und Taten von Jesus.
Und sie sollten mit allem Recht behalten. Schon der Einzug Jesu in Jerusalem gestaltete sich denkenswürdig. Als angesagtem Menschen wurde Jesus ein berwältigender Empfang durch seine Fans bereitet. Er ritt auf einem Esel ein und sie breiteten auf dem Weg ihre Kleider und Mäntel aus. An einem anderen Tag randalierte Jesus im Tempel. Dazwischen immer wieder kluge Reden und Gespräche. Dann dieses schöne und zugleich sonderbare vorgezogene Passahmahl am Donnerstagabend. Die darauffolgende Nacht würden sie nie vergessen, genauso wenig wie den anschließenden Tag des Untergangs. Glücklicherweise endet die Geschichte Jesu nicht an diesem schrecklichen und gruseligen Ort des Kreuzes. Sie geht weiter und findet ihre Bestimmung in der Auferstehung Jesu von den Toten dank Gottes überwältigendem Eingreifen. Er steht zu seinem Sohn und setzt so ein Ausrufezeichen hinter die unbeschreibliche und immer wieder auch unbegreifliche Tat seines Sühnetodes für uns am Kreuz. Der Weg ist frei zu Gott. Alle Opfer finden ein Ende, der Tempel wird nicht mehr gebraucht. Der Zugang zu Gott ist nun jedem Glaubenden ohne irgendwelche priesterlichen Vermittler möglich. Ein kaum vorstellbares Tun Gottes. In unseren Augen ziemlich sperrig, diese so geäußerte Liebe Gottes. Aber es ist wahr. Dieser Weg war nötig, um uns einen Weg zu Gott zu öffnen. Von jetzt an steht es in der Verantwortung eines jeden einzelnen Menschen, wie er mit diesem überwältigenden Angebot Gottes umgehen will. Gottes ausgestreckte Hand ist da. Wer schlägt ein?
Wir haben eingeschlagen. Wir haben die Liebe Gottes gespürt und sie hat uns ergriffen. Der Himmel steht uns offen. Leben ohne Ende offenbart sich. Wir sind nun nicht
mehr Bürger dieser Welt, sondern werden zu Pilgern in die Ewigkeit. Der alte Liederdichter Gerhard Tersteegen formulierte deshalb: O Ewigkeit du schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit.
Geheimnis des Glaubens: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit. In diesem Sinne eine gute Passions und eine fröhliche Osterzeit.
Ihr Thomas Seibel